Die Pariser Kirchen
 

Viele Städte im Abendland sind durch ihre Kirchen berühmt geworden. Nicht nur Städte wie Chartres, Reims oder Rouen nennen berühmte Kathedralen ihr eigen, auch in Paris und der Ile de France findet man viele interessante Kirchen.

Ich möchte an dieser Stelle keine Reise quer durch Paris veranstalten. Erwähnt wird lediglich, wie man die Kirche findet und eventuell ein wenig zu Ihrer Umgebung und Geschichte.

 

Notre Dame (Kathedrale)
(M° CITÉ od. RER ST. MICHEL-NOTRE DAME)

Den Anfang mache ich mit der bekanntesten Kirche von Paris. Ihre Geschichte beginnt mit der Grundsteinlegung im Jahre 1163. In der knapp 150jährigen Bauzeit entstand an der Stelle heidnischer Kultstätten und früher christlicher Kirchen ein Meisterwerk der Gotik. Eine genaue Beschreibung der reichhaltigen Ausstattung im Inneren und an den Fassaden würde diese Seite allein füllen.

Im Verlauf der Zeit erlebte Notre Dame viele historische Ereignisse, Zusammenkünfte und Zeremonien. Heinrich von Navarra löste hier sein Versprechen ein, zum katholischen Glauben überzutreten und bestieg kurz darauf als Henri IV den Thron. Während der Revolution wurde die Kirche zum Tempel umgeweiht - die Königsstatuen über den Portalen verloren ihre Köpfe. Im Jahre 1804 krönte Napoleon Buonaparte sich hier selbst zum Kaiser. Eines war Notre Dame allerdings nie: Die Kirche der französischen Könige. Diese wurden in Reims gekrönt und in St. Denis beerdigt.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten durch den Architekten Viollet-le-Duc ausgeführt, angeregt durch den berühmten Roman "Der Glöckner von Notre Dame" von Victor Hugo - hierbei wurden auch die Königsstatuen restauriert. Auch im ausgehenden 20. Jahrhundert war man mit der Restaurierung beschäftigt, weshalb ich in 1999 wieder eine strahlende Fassade bewundern konnte - ganz im Gegensatz zu meinem ersten Besuch 1991. Beides stelle ich hier einmal gegenüber.

Der Innenraum gilt für die Gotik als sehr hell, aber ich denke das hängt vom persönlichen Standpunkt ab. Ich finde es dort sehr dunkel, selbst wenn draußen die Sonne scheint, im Gegensatz zur Kathedrale von Chartres. Erwähnenswert ist sicherlich der Vorplatz, die Place du Parvis. Er ist im 19. Jahrhundert im Verlauf von Baron Haussmanns Sanierungsmaßnahmen entstanden. Blickt man etwa dreißig Meter vor der Kirche auf den Boden, so entdeckt man den Point Zéro, von dem alle Entfernungen bis Paris gemessen werden.

 
Fassade von Notre Dame in 1991
Fassade von Notre Dame 01.01.2000
Chor bei Sonnenuntergang
Königsstatuen über dem Portal
Gesamtansicht
Point Zéro
 

St. Sulpice
(M° ST. SULPICE, MABILLON od. ODÉON)

Kommen wir nun zu meiner Lieblingskirche in Paris. Deshalb möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass die Länge der Kommentare nichts mit meiner persönlichen Wertschätzung zu tun hat, sondern einfach der Geschichte oder dem Erklärungsbedarf der jeweiligen Kirche gerecht werden soll.

St. Sulpice ist nicht ganz so überlaufen von Touristen und liegt an einem ruhigen Platz nahe dem Palais du Luxembourg (siehe Impressionisten). Sie ist die zweitgröß Kirche in Paris. Ihre Bauzeit reichte von der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Im klassizistischen Stil mit leicht wirkenden, nüchternen Fassaden gebaut, ist sie nicht so reich verziert wie Notre Dame. Der Innenraum von St. Sulpice ist hell und groß. Die Wände sind geschmückt mit Gemälden, deren bekannteste Werke von Eugène Delacroix geschaffen wurden. Die Kirchenorgel ist eine der besten in ganz Frankreich. Leider hatte ich nicht die Möglichkeit, sie bei meinem Besuch zu hören.

 

St. Germain des Prés
(M° ST. GERMAIN DES PRÉS)

Hier handelt es sich um eine der ältesten Pariser Kirchen. Bereits im ersten Jahrtausend stand an ihrer Stelle ein Benediktiner-Kloster und auch bis zur Französischen Revolution war sie Teil eines Klosters. Von außen wirkt St. Germain des Prés schlicht. Der Turm wirkt durch seine geringe Höhe ein wenig gedrungen. Im Lauf der Geschichte wurde die Kirche zu klein für die Gemeinde, so dass man mit dem Bau von St. Sulpice begann...

Leider war es mir bei meinem Besuch nicht möglich, auch das Innere zu besichtigen, da ich während einer Messe dort war. Ich kam also nur bis in den Vorraum und konnte nicht einmal teilnehmen, da diese auf Spanisch gehalten wurde.

 
St. Sulpice
Place St. Sulpice
St. Germain des Prés
 

Ste. Trinité
(M° TRINITÉ)

Der Zufall wollte es, dass ich Ste. Trinité einen Tag nach St. Germain des Prés besucht habe. Zufall deshalb, weil ich auch hier beinahe in eine Messe geplatzt wäre. Daher kann ich auch diese Kirche nur von außen beurteilen. Aus dieser Perspektive betrachtet ist sie für mich die schönste Kirche der Stadt. Wie gesagt, ich kenne ihren Innenraum nicht.

Ste. Trinité wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut, anders als es ihr Aussehen vermuten lässt. Im eklektizistischen Stil wurden verschiedene Elemente vorangegangener Epochen zitiert. Die Kirche steht am Rande eines kleinen Platzes auf einer kleinen Anhöhe. Wer nun keine Lust hat, zur Kirche zu laufen, kann sich auf einer kleinen Straße bis zum Portal fahren lassen.

 
Ste. Trinité
Ste. Trinité
Place d'Estienne d'Orves
(Vorplatz von Ste. Trinité)
 

Ste. Marie Madeleine
(M° MADELEINE, CONCORDE)

Wir befinden uns an einer Kirche, die auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen ist. Nach der Grundsteinlegung in den 1760er Jahren folgte eine wechselvolle Baugeschichte. Die Revolution benötigte keine Kirche mehr und so wurden die Pläne für das entstehende Gebäude von Napoleon geändert. Er wünschte sich einen Ruhmestempel für die französische Armee. Man setzte den Bau in griechischem Stil mit hohen Säulen fort - als hätte man es direkt von Athen nach Paris portiert.

Letztlich entschied man sich nach Abschluss der Bauarbeiten, das Gebäude doch als Kirche zu nutzen. Und so präsentiert sich das Innere wie eine typische christliche Kirche. Allerdings - wie ich finde - ist es hier sehr dunkel, beinahe wie in Notre Dame. Genießen sollte man daher eher die Perspektive von der Freitreppe aus. Man blickt durch die Rue Royale und über die Place de la Concorde hinweg bis zur Assemblée Nationale. Eine lohnenswerte Aussicht dann, wenn die Sicht nicht von Autos verstellt ist.

 
Blick von der Place de la Concorde auf die Madeleine
Ste. Marie Madeleine
Blick zur Assemblée Nationale
 

St. Eustache
(M° LES HALLES, CHÂTELET-LES HALLES od. ÉTIENNE MARCEL)

Nähert man sich St. Eustache vom Forum des Halles her, so nimmt man zuerst nur einen ungewöhnlich gestalteten großen Kirchenbau wahr, weil man keinen Turm erkennen kann. Von der Westseite her sieht es allerdings anders aus:

Man erkennt eine Fassade mit eineinhalb Türmen, die in einem anderen Baustil als der übrige Teil der Kirche errichtet wurden. Die Kirche wurde ursprünglich von 1532 bis 1637 komplett im gotischen Stil errichtet, der aufgrund der langen Bauzeit mit Renaissance-Elementen ausgeschmückt ist. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts jedoch wurde eine klassizistische Fassade an die Stelle der alten gesetzt, da sich der Boden gesenkt hatte.

Innen sieht der Besucher letztlich doch, wie hoch die Kirche eigentlich ist. Durch ausreichend Fensterfläche ist es in St. Eustache ein wenig heller als in Notre Dame.

Es ist die Kirche, in der unter anderem der Dichter Molière getauft wurde. St. Eustache beherbergt zahlreiche Kunstwerke, von denen das Neueste ein Relief ist, welches den Umzug der Markthallen aus dem Zentrum der Stadt nach Rungis zu Beginn der 1970er Jahre darstellt.

 
Blick über das Forum des Halles auf
St. Eustache
St. Eustache
"Die Hallen verlassen die Stadt"
 

Invalides
(M° VARENNE, LA TOUR MAUBOURG, INVALIDES)

Die beiden Kirchen hier sind Teil der Anlage, die Louis XIV als Herberge für die Veteranen und Invaliden seiner zahlreichen Kriege im 17. Jahrhundert erbauen ließ.

Zunächst - und weithin sichtbar - erkennen wir den Invalidendom an seiner goldenen Kuppel. Die Doppelkirche war so konzipiert, dass der König und seine Soldaten am selben Altar beten, aber sonst räumlich getrennt bleiben sollten. Die Königskirche ist reichhaltig ausgeschmückt und dient seit 1840 als Mausoleum für Napoléon.

Von der Balustrade erblickt man den äußeren der sieben Särge. Begibt man sich nach unten in die Krypta, so kann man um die Ruhestätte herumgehen, wo man außerdem an Napoléons Erfolge erinnert wird. Neben Napoléon ruhen noch weitere Generäle in den vier Seitenkapellen.

Die Soldatenkirche St. Louis ist im Gegensatz dazu nüchtern gehalten. Ihr heller Innenraum wird von den Fahnen besiegter Armeen dominiert, die ringsherum an den Wänden hängen. Viele Tafeln erinnern an wichtige Gefallene der französischen Kriege.

Sehenswert ist außerdem noch das in den Sälen des Hôtel des Invalides untergebrachte Armeemuseum, das uns durch die französische Militärgeschichte führt - der Eintritt ist übrigens inbegriffen, wenn man den Dom besichtigt.

 
Invalidendom
Innenansicht der Kuppel
Altar mit Durchsicht zu
St. Louis
Kanonen aus der Sammlung des Armeemuseums
 

Sacré Cur
(M° ABBESSES, ANVERS)

Die verspielteste Pariser Kirche wurde ab 1876 auf dem höchsten Punkt von Montmartre errichtet. Dem Bau vorangegangen war die Idee, ein Mahnmal nach dem verlorenen Krieg gegen Deutschland 1870/1871 und dem Aufstand der Pariser Kommune zu errichten.

Ein Beschluss der Nationalversammlung 1873 machte den Bau schließlich zu einer nationalen Angelegenheit und es wurden landesweit Spenden gesammelt. Der Bau dauerte etwa vierzig Jahre und das gesamte Gebäude steht tief im Berg verankert damit ehemalige Gipsstollen nicht einstürzen.

Die Architektur ist umstritten, weil sie zu verspielt ist. Aber der Blick vom Vorplatz über Paris ist bei klarem Wetter einmalig. Und hier ist eigentlich zu jeder Tageszeit etwas los, die Gassen ringsum sind die von Touristen übervölkertsten von ganz Paris. Doch sollte man sich hier ruhig Zeit nehmen, da man jederzeit auf Menschen aus aller Herren Länder trifft.

 
Sacré Cur
Blick auf die östlichen Vororte
Detailansicht
Vorplatz
 

St. Denis (Basilika)
(M° ST. DENIS-BASILIQUE)

Ein paar Kilometer außerhalb von Paris gelegen, jedoch per Métro an das Stadtzentrum angebunden, befindet sich die Basilika von St. Denis. Neben der Kathedrale von Reims als Krönungskirche ist sie die wichtigste Kirche des französischen Königtums.

Legende ist, dass der heilige Dionysios nach seiner Hinrichtung an diesen Ort gelaufen ist, um sich begraben zu lassen. Tatsache ist, dass bereits seit dem 8. Jahrhundert die französischen Könige hier bestattet wurden, zunächst in einem Vorgängerbau, einer Abteikirche.

Die heutige Kirche wurde im 12. und 13. Jahrhundert errichtet. Die Königsgräber fanden zunächst im Chor Platz. Während der Revolution wurde die Basilika als Symbol für das Königtum stark zerstört, die Gebeine der Verstorbenen wurden in die Krypta umgebettet. Unter Viollet-le-Duc folgte im 19. Jahrhundert eine umfassende Renovierung.

In unserer Zeit betritt der Besucher eine zweigeteilte Kirche. Zunächst wird man das Kirchenschiff besichtigen, was bis zum Altarbereich problemlos möglich ist. Hier sieht man bereits die Grabmäler, die während der Restauration wieder hier installiert wurden.

Um Zutritt zu erlangen, begibt man sich an der Südseite zwischen Kirche und Abtei, wo man das Kassenhäuschen befindet. Es steht dem Interessierten Besucher nicht nur der Zugang zum Chor offen, sondern auch die Krypta, in der die Bourbonen sich bereits vor der Revolution bestatten ließen.

 
St. Denis
St. Denis - Detailansicht
 
Paris
 
Erstellt am: 01.10.2000
Letzte Änderung: 12.08.2004